Kurhaus-Abriss - unsere Stellungnahme

Sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher, meine Damen und Herren,

Wer diesem Antrag des Magistrats auf Abriss des vom Lande Hessen übernommenen Kurhauses zustimmt, muss sich darüber im klaren sein, dass er damit einem schwerwiegenden, vor allem auch irreparablen Eingriff in die gewachsene Struktur des Bad Wildunger Kurviertels seine Zustimmung gibt. Die Fraktion der Freien Wähler widersetzt sich dem energisch und das mit voller Überzeugung um der gedeihlichen, kurortbezogenen Entwicklung unserer Stadt. Lebte noch die vom damaligen Hessischen SPD_Finanzminister Heribert Reitz mit Lob überschüttete Erbauerin des Neuen Kurhauses, Karola Plaßmann, sie würde sich gewiss mit überzeugenden Argumenten und verständlichen Emotionen in diese Debatte einbringen.

Und sie würde Entsetzen überkommen, wenn sie den über die Jahre durch sträfliches Verhalten heruntergekommenen Bau sähe. Karola Plaßmann hat das Kurhaus entworfen, gebaut und das Ganze mit einer von weiblicher Handschrift gekennzeichneten, geradezu unnachahmlichen Innenarchitektur versehen, dass, wie sich mancher noch erinnern mag, Kultusminister Krollmann, bekanntlich auch von der SPD, bei der Einweihung sagte, ein Haus dieser Güte gehörte eigentlich in die nordhessische Metropole Kassel.

Gebäude abzureißen, nur damit sie abgerissen sind, ist ein Ansatz, der uns völlig neu ist. Zum einen gibt es in dieser Stadt Beispiele dafür, dass das Engagement eines Investors keineswegs von der Existenz und dem Zustand eines bestehenden Gebäudes abhängig ist. Zum anderen gibt es ausreichend Studien darüber, und hier werden mir die Kolleginnen der Grünen recht geben, dass auch aus ökologischer Sicht Abriss und Neubau deutlich aufwändiger als Sanierung und Nutzbarmachung bestehender Bausubstanz sind. Bauen im Bestand spart Ressourcen und ist ein wesentlich geringerer Eingriff in vorhandene Strukturen.

Wieder einmal soll etwas, was allen Bürgerinnen und Bürgern gehört, vernichtet werden. Warum empfindet man es als Last, Gebäude zu erhalten und zu schützen?

Ein sogenannter Renditezwang, der nichts gibt auf die Bedeutung des Areals, interessiert sich nicht für Stadtbaukunst oder soziale Stadtentwicklung und nicht für das Gemeinwohl, nicht für die Bürger, die diese Gebäude mit ihrer Geschichte und den Geschichten erhalten möchten. Anstatt mit Mut und Phantasie das Kurhaus zu einer Begegnungsstätte, zu einem verbindenden Element zwischen Gästen und Einheimischen, zwischen Alt und Jung, wieder zu beleben, soll nun erst einmal abgerissen werden.

Ein Hoffnungsschimmer war der beschlossene Masterplan, der von Herrn Weller und Kollegen entwickelt werden sollte und eine Vision entwirft von einem Bad Wildungen, in dem wir und unsere Kinder gerne leben. Als Ergebnis des Projektes soll ein ausssagekräftiges Leitbild für die Entwicklung der Kurstadt herausspringen mit einem anschließenden „Masterplan“ für die Zeit bis 2025 mit konkreten Handlungsanweisungen. Ausdrücklich sollte das Gewicht erst einmal auf das Feld „Kur und Gesundheit“ und damit räumlich auf die beiden Kurgebiete mit den Wandelhallen und den Parks sowie das Kurhaus und die Brunnenallee gelegt werden.

1. Wir vertreten die Auffassung, dass vor Beendigung des Projektes Masterplan "Zukunft Bad Wildungen" keine derart schwerwiegenden Entscheidungen getroffen werden; insbesondere nicht über den Abbruch des Kurhauses oder Teilen desselben entschieden wird.

Hierzu bedarf es nicht nur einer Kostenabwägung über eine etwaige Ersparnis von Abbruchkosten.

2. Möchten wir bzw. muss die Stadtverordnetenversammlung vor einer derartigen Beschlussfassung darüber Kenntnis erlangen, inwiefern die Sachverhalte Sicherung des Kurhaus-Areals, Kündigung der Versicherung und Diskussion über den Beschluss eines Abbruchs in der Betriebskommission des Eigenbetriebes Staatsbad Bad Wildungen / Bad Reinhardsquelle stattgefunden hat. Wir erbitten die Vorlage der entsprechenden Protokolle zur Diskussion in der StaVo bzw. in den Ausschüssen. Wir erbitten ebenso die Vorlage des Brandgutachtens, das Auskunft gibt über die Brandgefahr und evtl. Brandlasten.

3. Wir verwehren uns gegen die nun vorgebrachte Dringlichkeit und der vermeintlichen Gefahr für Leib und Leben, die angeblich von dem Gebäudebestand Langemarckstraße 13 ausgehen soll.

Wir stellen daher einen Änderungsantrag mit folgendem Inhalt:

Die Entscheidung über den Abbruch des Kurhauses und des Therapeutikums/ Bäderhauses wird vertagt.

Nach einer rechtssicheren Thematisierung der o.a. Punkte in der Betriebskommission bitten wir um anschließende Protokollvorlage in der StaVo. Außerdem fordern wir den Magistrat auf, das Kurhaus samt Nebengebäuden angemessen vor Vandalismus zu schützen und geeignete Sicherungs- und Überwachungsmaßnahmen umgehend und unverzüglich zu ergreifen.

Ferner beantragen wir im Zusammenhang mit dem Masterplan ein fraktionsübergreifendes Aktionsbündnis unter Leitung von Herrn Weller mit Einbindung von engagierten und interessierten Wildunger Bürgern und interessierten Investoren ins Leben zu rufen zum Erhalt des Kurhauses und der sinnstiftenden und wirtschaftlichen Verwendung zum Wohl der Bürger der Stadt Bad Wildungen. Hierzu können auch die immer noch vorhandenen Fördermittel für eine Konzeptentwicklung in Höhe von rund 300.000,- € abgerufen werden.


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